(1) N.N. (1667) - N.N (1916) [B01]
playchess.com (3), 07.05.2003
[J.W.]

Diese Partie mögen sich manche denken ist nur eine Blitzpartie aus dem Internet - und die ist nicht einmal von einem der großen K's gespielt. Aber ich möchte hier nur versuchen ihnen eine bekannte Struktur ein wenig näher zu bringen und ihnen noch etwas praktisches Material, zum selber ausprobieren, an die Hand geben. Die Namen habe ich bewusst verändert. Ich möchte nur soviel sagen mit Weiß, spielt meiner Meinung nach, eine sehr talentierte Spielerin....

1.e4
[ 1.d4 d5 2.c4 e6 3.cxd5 exd5 Die Bauernstruktur wird im folgenden als "Klassiker" bezeichnet.]

1...d5 2.exd5 Qxd5
Skandinavisch.

3.Nc3 Qa5 4.Nf3 Nf6 5.d4 Bg4
[ 5...Bf5 ; 5...c6 6.Bc4 Hauptvariante.....]

6.Be2
[ 6.h3 Hauptvariante.]

6...c6 7.Bd2
Ld2 ist für mich irgendwie immer so eine Sache. Möchte man die Dame wirklich vertreiben oder nicht? Auf der einen Seite steht sie wirklich nicht so schlecht auf a5, aber sollte man nicht warten bis man die Dame von dort mit "besseren" Zügen vertreiben kann? Ich habe für solche Fälle kein Paraderezept parat. Alternativ zu der Vertreibung durch Ld2 kann man allerdings auch die Idee a3 -> b4 ins Auge fassen.

7...Qc7 8.h3 Bh5 9.0-0 e6 10.Ne5 Bxe2 11.Qxe2 Nd5 12.Nxd5
Dieser Zug leitet in die berühmte Karlsbader-Struktur über. [ 12.Ne4!? Nd7 13.Nxd7 Qxd7 14.c4|^ ]

12...cxd5 13.Bf4 Bd6 14.Rfe1
Ein typischer Plan für den Weißen hier (im Klassiker ist es Schwarz!) besteht in dem Angriff am Königsflügel bzw. Entlastungsmannövern (Abtausch), um z.B. einen möglichen Minoritätsangriff (a5, b5) zu entkräften.

14...0-0 15.c3
Ein notwendiger Zug. Weiß muss wohl oder übel d4 sowieso irgendwann einmal decken und den c-Bauern von der Schutzdeckung einer Figur entbinden. Diese wird noch für einen evtl. Angriff benötigt.

15...Nc6 16.Qg4|^ Nxe5 17.dxe5
[ 17.Bxe5 Bxe5 18.Rxe5+/= Hier bietet sich sicherlich viel Platz für ein paar praktische Partien..... Um die Frage zu klären, ob der Angriff von Weiß stärker ist oder der Schwarze doch schneller mit der Unterminnierung des Damenflügels ist.]

17...Bc5 18.Bh6 g6?
[ 18...f5!? 19.Qg3 ( 19.exf6 Rxf6 ( 19...Bxf2+ 20.Kxf2 Rxf6+ 21.Kg1 Rxh6 22.Rxe6+/= ) 20.Be3 Raf8 21.b3=/+ ) 19...Rac8 ( 19...b5 20.b4 Bb6 21.a4|^ ) 20.Bf4 Mit beiderseitigen Chancen.]

19.Bxf8 Rxf8 20.Qg3 Qb6 21.Re2 Rd8 22.Rd1
Weiß koordinert erstmal seine Kräfte und propagiert dabei nach Möglichkeit preventives Spiel.

22...a5
Möchte Damenflügelexpansionen eindämmen. [ 22...Qa6 23.Red2 Qxa2? 24.b4+- ]

23.a3 Qb5
[ 23...Qb3 Auch wenn's nicht gefallen mag, aber das Eindämmen ist hier Pflicht, wenn man richtig zähen Widerstand leisten möchte.]

24.Red2 Qc6 25.Rd3!?
Turmschwenkmöglichkeiten ergeben sich und der c3 wird für ein evtl. mögliches b4 gedeckt.

25...b6 26.Qg5 Qb5?
[ 26...Rc8 ]

27.Qf6?
Sowas kann in einer Blitzpartie durchaus mal vorkommen ;-) [ 27.Qxd8++- ]

27...Rf8?
Die Zeit fängt an knapp zu werden.

28.b4 axb4 29.cxb4 Bxb4 30.axb4 Qxb4 31.Rc1 b5 32.Rdc3!
Eine der besten Methoden hier den Materialvorteil zu verwerten liegt im Angriff.

32...Qa4 33.Rc8 Qa3 34.Rxf8+ Qxf8 35.Rc7 b4 36.Rb7 h5 37.Qg5 Kg7 38.Rd7!!
Ein richtiger k.o.-Schlag. Jetzt geht die Dame forciert verloren.

38...Qe8 39.Qf6+ Kg8 40.Rd8 Qxd8 41.Qxd8++-
Der Rest ist hier eine Sache der Technik.... *hüstel* Was beim Blitzen manchmal nicht ganz so einfach ist. Aber ich denke hier wurde das Problem in einem guten Rahmen gelöst.

41...Kg7 42.Qf6+ Kh6 43.h4 b3 44.Qg5+ Kg7 45.Qc1 b2 46.Qxb2 Kf8 47.Qb8+ Kg7 48.f4 Kh7 49.Kf2 Kg7 50.Kf3 d4 51.Ke4 d3 52.Kxd3 Kh7 53.Qe8 Kg7 54.Qe7 g5 55.fxg5 Kg6 56.Qf6+ Kh7 57.g4 hxg4 58.h5 g3 59.g6+ fxg6 60.Qxg6+ Kh8 61.Qxg3 Kh7 62.Qg6+ Kh8 63.Qxe6 Kh7 64.h6 Kh8 65.Qf6+
Schwarz stellte den Widerstand ein... 1-0